FIFA 17 Review – PS4 Test


Samstagnachmittag, man spürt das vibrieren des Betons. Das Flutlicht erhellt den Rasen und Tribünen des Stadions. Der Pfiff ertönt und das Leder rollt wieder! Seit dem 27.09.2016 könnt Ihr ebenfalls das beliebte Runde Sportobjekt wieder auf Euren heimischen Konsolen und dem PC rollen lassen. Ich möchte mit diesem Review die Frage klären: „Wieviel Simulation steckt in FIFA 17?“

Präsentation

Da gibt es auch in diesem Jahr nur wenig Kritikpunkte. Das Hauptmenü wurde übersichtlich gehalten, so dass man schnell überall hinkommt wo man auch wirklich hinmöchte. Die Ladezeiten zum Spielstart sind sehr gering. Man kommt meist nicht einmal dazu die Mini Skill Challenges zu spielen, die es auch in diesem Jahr zur Überbrückung gibt. Sobald das Spiel geladen ist, erhält der Spieler/Zuschauer erst einmal einen Blick vom Stadion. Die Spieler laufen ein und stellen sich zur Mannschaftspräsentation auf. Danach erfolgt natürlich das Shake-hands mit den Gegnern. Mögliche Neuzugänge, die das erste Mal auflaufen, werden sogar gesondert nochmal in den Mittelpunkt gerückt und mit einer Einblendung präsentiert. Natürlich darf die Vorstellung des Offiziellen nicht fehlen, bevor es dann mit vollem Schwung zum Anstoß geht. Die Atmosphäre im Stadion ist hörbar und teilweise sogar spürbar.

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Bei einem Foul geht die Kamera in die Nahaufnahme und zeigt den Übeltäter im Dialog mit dem Schiedsrichter, während der Gefoulte sich schmerzerfüllt auf dem Boden wälzt. „Eine letzte Ermahnung“…so teilt der Offizielle uns durch seine beruhigende Geste mit, bevor er sich sein Freistoßspray schnappt und die nötigen Markierungen aufzeichnet. Während dieser Aktion empfand ich die Animationen der Spieler auf dem Rasen übrigens als relativ langweilig. Da ging kein Mitspieler mal zum Schützen und flüsterte ihm was ins Ohr…Der Keeper dirigierte nicht seine Mauer bis er zufrieden war. Man wartete einfach die Szene ab bevor man dann zum Freistoß antrat. Ronaldo steht natürlich in seiner bekannten Pose beim Freistoß und sieht in der Nahaufnahme, wie es bei EA ja eigentlich immer der Fall ist, auch noch aus wie Ronaldo.

Die Stars haben definitiv Widererkennungswert. Bei den etwas unbekannteren Spielern wird es dann schon etwas schwieriger bis unmöglich den Spieler anhand des Game-Faces zu erkennen. Begleitet werdet Ihr vom Kollegen Buschmann und Fuss. Dieses Duo hat sogar einige Sprüche mehr dazubekommen. Allerdings stößt man (natürlich) auch hier sehr schnell auf Grenzen und Wiederholungen. Oder anders gesagt…“Ibrakadabra“ kann man nach wenigen Minuten Spielzeit (wenn man mit Ibrahimovic spiel) nicht mehr ertragen. Die Frostbite Engine hat ihren Zweck voll und ganz erfüllt – Das Spiel sieht wirklich richtig gut aus. Negativ sind allerdings die verwaschenen Texturen bei den Tornetzen und Rückennummern der Jerseys in der Telekamera hängengeblieben.

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Gameplay

Nun kommen wir zu dem Teil, wo ich persönlich stets den Schwerpunkt lege. Ein Spiel kann noch so gut aussehen, wenn es sich nicht gut spielen lässt, landet es im Schrank (oder schlimmer). Fans der FIFA Serie werden nun aufatmen können, denn es hat sich nicht wirklich viel verändert.

Also alles beim Alten?

Nein…denn das Spiel an sich fühlt sich ein wenig anders an. Mit den original Slidern hatten ich tatsächlich zum ersten Mal das Gefühl, dass ich bei FIFA auch mal phasenweise geduldig handeln muss bis ich die Lücke im System meines Gegners gefunden habe. In den ersten Spielen fand ich nicht auf Anhieb diesen einen Spielzug, der hochprozentig zum Ziel führt. Ich versuchte es natürlich erstmal über die Flügel. Allerdings durchschauten die Verteidiger das relativ schnell und untergruben mein Doppelpassspiel. In der Mitte überließ man mir auch wenig bis gar keinen freien Raum um zu agieren. Also fing ich an mich der Situation anzupassen und muss gestehen, dass es wirklich ab und an mal nach Fußball aussah. Pass auf meinen zentralen Mittelfeldspieler, dieser musste erstmal den Ball mit seinem Körper abschirmen, da der gegnerische Sechser wohl die Anweisung hatte direkt zu pressen. Und dann sucht man erstmal Anspielstationen.

Und oftmals habe ich mich dann entschieden das Spiel wieder von Hinten neu aufzubauen. Geduldig bis irgendwo eine Lücke zu erkennen war. Für mich ist FIFA seit Jahren ein Arcade Spiel. Deshalb war ich in den ersten Spielstunden durchaus erstaunt und teilweise sogar begeistert. Aber natürlich gab es auch viele Fifa typische Dinge die einfach den Spielspaß rauben. Spieler die den Ball noch unbedingt annehmen müssen bevor er ins Aus geht (passiert wenn man nicht schnell genug auf die Bumper kommt). Innenverteidiger die sich umdrehen und direkt im Vollsprint sind. Eine Abseitsregelung die so tut als würde sie „passiv“ kennen, dann aber total versagt. Aber all das ignorierte ich erstmal und spielte weiter. Ich war mit einigen Erlebnissen auf dem Platz nicht ganz glücklich und so entschied ich mich mal den Slider Einstellungen einen Besuch abzustatten. Ich passte das Spiel (hatte Vorgaben im Internet gefunden) hier und da an und erzielte tatsächlich noch einige Verbesserungen bezüglich des Realitätsgrades im Spiel. Ich bin zwar in einigen Szenen nicht einverstanden mit den Entscheidungen des Schiris und schreie auch gerne mal meine Mitspieler an, wenn sie nicht in den freien Raum starten…aber ich würde mal sagen: Das ist Fußball!

Umfang / Lizenzen

Beim Umfang hat sich nicht viel getan. Das ist auch gar nicht notwendig, denn FIFA deckt das meiste eh schon ab. Streng betrachtet ist „The Journey“ ja ebenfalls kein neuer Modus.

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Es ist ein aufpolierter Offline Be a Pro Modus. Und dieser ist als erster Versuch sogar durchaus brauchbar. Wer hier Hexenwerk erwartet, wird wohl nach längerer Spielzeit enttäuscht werden. Ich erkenne einen Versuch den BaP Modus spannender zu gestalten und habe die Hoffnung, dass es in Zukunft da noch weitere Vorstöße von EA geben wird. Wenn der Content stimmt, gerne auch über kostenpflichtige DLC’s. Ich persönlich wäre bereit für sowas Geld auszugeben. Wo wir schon mal beim Geld verpulvern sind…natürlich gibt es auch in diesem Jahr wieder den FIFA Ultimate Team Modus, oder kurz FUT. Eine unfassbare Einnahmequelle die EA dort jedes Jahr präsentiert.

Und das meine ich absolut wertfrei! Endlos viele Spieler werden sich auch bei FIFA 17 wieder auf die Jagd machen um irgendwann mal Messi als IF Karte in ihrem Team zu haben. Gegen den Modus an sich habe ich nichts einzuwenden, empfinde aber erheblich mehr Spielspaß beim MUT, also dem Pendant in Madden. Dort gibt es eine Fülle an Solo Challenges die man erledigen kann. Und wöchentlich kommen mehr und mehr dazu. Vielleicht orientiert man sich bei FUT ja auch irgendwann mal daran. Im Pro Club Modus erhaltet ihr diesjährig die Chance kreativ zu sein. Trikots und Wappen können endlich individuell gestaltet werden. Hinzu kommt die Überarbeitung der Spielerentwicklung. Die Gesamtspielwertung ist nun wichtiger als je zuvor. Euer Spieler entwickelt sich außerdem in die Bereiche weiter die für seine Position auch Sinn machen. Ein Stürmer wird z.B. viel schneller bei den „Schießen“ Attributen steigen als ein Verteidiger. Mein Ratschlag: Finger weg von den schnellen Random Games in diesem Modus! Sucht euch einen Verein oder spielt fix mit Freunden zusammen. Das hebt den Spielspaß erheblich!

Der Karrieremodus hat sich nicht großartig verändert. Ihr habt wieder die Möglichkeit als einzelner Spieler oder als Coach ins Spielgeschen einzugreifen. Als Coach kann man Spieler kaufen und verkaufen, ein Scoutingnertzwerk aufbauen und eine Nachwuchsschmiede wie die von Ajax Amsterdam errichten. Man bekommt vom Verein nun Ziele vorgegeben welche verschiedene Schwerpunkte haben. So legt man bei Manchester United den Schwerpunkt auf den Ligasieg sowie den CL Sieg, intressiert sich aber nicht so sehr für den nationalen Pokalsieg oder große Einnahmen. Solange die Trikotverkäufe stimmen, ist man da schon finanziell relativ glücklich. Taktisch sollte man natürlich auch versuchen alles aus seinem Team rauszuholen. Modernes System mit einer Dreierkette ? Back to the 4-4-2 System? Oder doch ein 4-3-3? Ihr entscheidet!

Über die im Spiel enthaltenen Lizenzen muss man eigentlich gar nicht viel verlieren. EA hat sie, EA nutzt sie. Und das machen sie sorgfältig und tiefgehend. Das spiegelt sich auch bei den meisten Game Faces wieder.

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Präsentation9.1
Gameplay9
Umfang9.1
Fun9
EA hat es tatsächlich geschafft, dass ich FIFA 17 in den Bereich „Fußball Sportspiel“ einordne. Raus aus der Arcade Schublade. Natürlich gibt es noch an einigen Stellen Schwächen die mich nerven und stören. Aber insgesamt gesehen ist es weniger geworden. Das Spiel ist authentischer als die vielen Vorgänger der letzten Jahre. Abgerundet wird das Gesamtpaket dann natürlich dadurch, dass das Spiel einfach verdammt gut aussieht und mit massig Lizenzen auftrumpft. Der FUT Modus wird auch in diesem Jahr seine Anhängerschaft in den Wahnsinn treiben und auch euphorisch aufjubeln lassen. Ich bin extrem gespannt ob EA diesen Weg weitergeht und den nächsten Schritt wagt in Richtung Sportsimulation. Ich drücke beide Daumen und werde das Ganze weiter beobachten.
9.1

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André

Vom Fußball über Tennis hin zum Basketball. Bis die Knie nicht mehr richtig mitspielten. Im Sommer kann man ihn zwar noch hier und da auf den Freiplätzen der Stadt Dortmund betrachten, immer öfter allerdings wird der Spielort ins heimische Wohnzimmer verlegt. Gerne auch mal im Hoeschpark zu Gast um seine Dortmund Wanderers anzufeuern. Bei Youtube als GoddyLP aktiv.

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