Gamescom 2015: Zockerdaumen überflüssig


Die Gamesbranche ist seit vielen Jahren berühmt und berüchtigt dafür, Fans und Presse so einiges zuzumuten. Im Rahmen der Gamescom 2015 hat man sich etwas besonders schönes als Belohnung für mehrstündige Wartezeiten ausgedacht – Trailer!

Genau – Trailer. Beziehungsweise vorproduzierte Präsentationsvideos. Da klappte die Kinnlade bei vielen Besuchern derart weit runter, dass ein Schnappschuss der Szenerie wie eine Kollektiv-Version von Edvard Munchs „Der Schrei“ ausgesehen hätte. Ausgleichende Gerechtigkeit: Dass ich vor Ort unglücklich ausgerutscht bin und mir den Daumen verstaucht habe, hat mein Erlebnis im Vergleich zum Rest wenig geschmälert.

2K16_Cena

WWE 2K16 wurde auf der diesjährigen Messe nicht gezeigt. Der Vorgänger hatte für Unmut gesorgt, da WWE 2K15 auf der gamescom 2015 nicht vernünftig lief.

Was soll verborgen werden?

Man fragt sich als Beobachter natürlich als erstes nach dem Grund dieses Phänomens. Sind Titel wie WWE 2K16 technisch noch nicht vorzeigbar? Ist NBA 2K16 vielleicht gar nicht der erwartete Über-Hit? Hat sich bei NHL 16 evtl. nicht viel zum Vorgänger getan?

Ganz offensichtlich will man durch derlei Präsentationen jedenfalls einen polierten und einheitlichen Eindruck erzeugen. Alle Beobachter sehen das gleiche, bekommen das gleiche dazu erzählt und sollen demnach ein konsistentes, möglichst positives Bild vom Gesehenen nach außen tragen.

Auch Fachbesucher schauen nur zu

Wie es im Akkreditierungsverfahren durch die Messe bereits üblich ist, verschwimmen die Grenzen zwischen Fachbesucher und Gast zusehends. Durch die vielen Wild Cards war das Gelände bereits Mittwochs ordentlich gefüllt. Ein Umstand, der sich auf die Presse auswirkte, denn EA-Games waren im Fachbesucherbereich nicht mehr spielbar. Autoren und Journalisten bekamen nur besagte Präsentationen zu sehen und erhielten auf Anfrage lediglich einen Fast Pass – ergo musste man sich in den Showfloor quetschen und konnte dort zumindest noch das zweifelhafte Privileg genießen, sich an vorderster Front in den Schlangen einzureihen. Da dies die Arbeit enorm bremst, bleiben zwangsläufig einige Titel auf der Strecke.

Eine ganz spezielle Behandlung wurde mir übrigens auf dem Stand eines hier nicht näher bezeichneten F2P-Titels zuteil – man verweigerte mir als Pressevertreter den Zutritt. Da hatte jemand wohl Interesse daran medial unter dem Radar zu fliegen.

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PES 2016 holte den gamescom Award für das Beste Sportspiel 2015. Allerdings gab es mit FIFA 16 auch nur einen namhaften Konkurrenten in dieser Kategorie.

Zuhause bleiben – die bessere Alternative?

So fragen wir uns als Blogger, Autoren und Journalisten natürlich vermehrt warum wir nicht einfach einen auf digitalen Kurator machen und zuhause bleiben. Wer die anderen rennen lässt und deren Newshäppchen geschmackvoll kombiniert, kann sehr wahrscheinlich eine umfangreichere Berichterstattung abliefern, als die bemitleidenswerten Kollegen vor Ort.

Für den Besucher sieht die Sache ähnlich aus. Warum herumrennen und Stunden warten, wenn besagtes Material entweder direkt oder kurz darauf ohnehin im Netz zu finden ist?

Natürlich gibt es einen Erlebniswert darüber hinaus – die sozialen Aspekte, die liebevoll gestaltete Retro-Fläche, visuelle Attraktionen, die vielfältigen Shopping-Möglichkeiten für Geeks. Zudem laden die kleinen Stände, abseits des Trubels, zur Entdeckungsreise ein. Auch waren einige wenige Titel weiterhin im Besucherbereich spielbar – PES 2016 und FIFA 16 aus dem Sportspiele-Genre – jedoch machen wir uns hinsichtlich des Trends die Sorge, nächstes Jahr womöglich noch weniger anspielen zu können.

Spielebegeisterte sind offensichtlich bereit eine Menge Hürden und Restriktionen zu tolerieren, aber das vorzeitige anspielen beliebter Titel ist seit je her ein Kernelement der Messe. Insofern ist es fraglich, ob es mit dieser Strategie künftig weitere Besucherrekorde geben wird.

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David

Seit Brutal Sports Football & Budokan vor allem Fan von brachialem Pixelsport. Ist deshalb heutzutage Experte für WWE-Games und hat seiner Leidenschaft mit "Round 1 Fight: Die Beat 'em Up Story" ein ganzes Buch gewidmet. David hat zudem eine Vorliebe für den virtuellen Rasenkick und hat von Sensible Soccer bis PES die ganze Fußball-Palette miterlebt. Der passionierte Handheld-Gamer ist stets bis auf die Zähne mit mobilen Devices bewaffnet und freut sich schon auf das SMACH Zero. Twitter @davidtimsit

1 comment

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  1. Kevin 12 August, 2015 at 16:34 Antworten

    Die gamescom wird doch eh immer mehr zu einem schlechten Scherz. Zu Leipziger Zeiten oder am Anfang in Köln konnte noch haufenweise Kram gespielt werden, jetzt wird man wie im Artikel beschrieben doch nur noch verarscht. Der einzige Publisher ders auf die Reihe bekommen hat und alles versucht hat war Blizzard, die hatten geschätzte 100 Rechner auf denen man zocken konnte.

    Dazu dann noch das Phänomen das sich die Messe, zumindest aus meiner subj. Sicht immer mehr zur YouTube-Kiddie Messe entwickelt mit 27.000 Fantreffen und YT Ständen. Ist nicht mehr meins die Messe.

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