NBA Live 18 – XBOX One Test


Nachdem im Jahr 2016 kein Ableger von EA erschienen ist, (von der Mobile-Variante mal abgesehen), erschien am 15. September der neueste Angriff auf 2Ks Basketball-Platzhirsch. Ich habe mir NBA Live 18 einmal genauer angeschaut und möchte euch einen Eindruck davon verschaffen, ob das zusätzliche Jahr Entwicklungszeit den Titel auch messbar voranbringt, wie viel Spielspaß sich in der durchaus schicken Fassade finden lässt, oder ob die Serie sich weiterhin hinter dem Genre-Primus verstecken muss. Erschienen ist NBA LIVE 18 für die XBOX One sowie der PS4. Dem Test liegt die Xbox-Version zugrunde.

Präsentation

Begrüßt wird man noch während der Installation durch den Coverstar James „The Beard“ Harden in Form eines ersten Spieles.  Wer die letzten Ableger des Konkurrenten gespielt hat mag vielleicht nicht sonderlich aus dem Häuschen sein, dennoch kann sich NBA Live im direkten Vergleich durchaus sehen lassen. Gerade die bekannten Persönlichkeiten wurden ausgesprochen realitätsnah ins Spiel integriert. Sowohl Gesichts- als auch die Körperanimationen vermitteln dem Spieler das Gefühl, The Beard persönlich würde mit dem Spieler einen Plausch halten. Allerdings kann das Spiel den guten Eindruck nicht konsequent fortsetzen. Gerade während des eigentlichen Spiels, und gelegentlich in den Close-Ups, geraten die Gesichtsanimationen schnell in den „Einheitsbrei“. Viel zu häufig hatte ich den Eindruck in ein seelenloses Gesicht eines namenhaften Profis zu schauen. Nichts desto trotz ist der grafische Gesamteindruck immer noch sehr gut.  Schade nur das die Persönlichkeit der Spieler so nicht in allen Bereichen des Spiels wiederzufinden ist wie zu Beginn. Allerdings sind Animationen in Sportspielen auch Gameplay relevant. Hier hatte EA seit Live 16 erheblichen Handlungsbedarf. Mehr dazu aber im Gameplay-Teil.

Anders sieht es bei der Atmosphäre aus. Die Sprecher leisten einen guten Job. Berichterstattungen vor und nach Matches tragen der sehr guten Stadionatmosphäre Rechnung. Sowohl auf den Outdoor-Plätzen als auch in den großen Hallen wirkt das Geschehen stets authentisch, auch wenn die Moderation hier und da nach einiger Zeit zu Wiederholungen neigt. Der Hip-Hop Soundtrack bringt genau das richtige Feeling in das Wohnzimmer um als angehender NBA- Star voll durchzustarten.

 Gameplay

In Sachen Vielfalt hat EA sich nicht lumpen lassen. Neben den Schnellspielmodi Head to Head, NBA und erstmals im Genre WNBA, stehen auch 3 größere Modi auf dem Spielplan. Bereits bekannt dürfte der Ultimate Team Modus sein. So, oder so ähnlich, sah man ihn bereits in diversen anderen Sportspielen. „Franchise“ hingegen verpasst dem Spiel eine Managernote, bei der es darum geht sein eigenes Team zum Sieg zu führen und dadurch eine Dynastie zu gründen (wie es im Spiel heißt). Allerdings wirken diese Modi eher wie Beiwerk. Der fehlende Tiefgang hält die Motivation nicht sehr lang aufrecht, auch wenn sie kurzweilig für Abwechslung sorgen. Auch neu in diesem Jahr ist „The One“. Das Herzstück des Spiels gibt euch die Möglichkeit, euren eigenen Spieler vom College bis in die NBA zu spielen. Dafür erstellt ihr entweder, über einen recht umfangreichen Editor, einen eigenen Charakter, oder ihr nutzt die Companion App um euer eigenes Konterfei ins Spiel zu übertragen. Letzteres klappt bei entsprechend guter Beleuchtung trotz schlechter Anleitung erstaunlich gut.

EA bringt ein Stück weit Rollenspielfeeling ins Spiel. Während eurer Karriere könnt ihr die Fähigkeiten eures „Profis“ durch das Freischalten von Perks verbessern. So wird sukzessive eure Wurffähigkeit oder das „Ball-Handling“ verbessert. Spezialfertigkeiten runden das Paket vollends ab. Dabei habe ich mich während des Tests nie übermächtig gefühlt. NBA Live bleibt stets eine Gewisse Herausforderung, sofern man dies auch wünscht. Dazu trägt die überarbeitete Steuerung bei. Während man Ballaktionen wie das Dribbling mit dem rechten Stick steuert, nutzt man die Schultertasten zum Aufposten oder zur Verteidigung. Y, B und A sind dabei für verschiedene Pässe reserviert (Lob- oder Direktpass) und X lässt euch beeindruckende Dunks oder genaue Korbwürfe ausführen. Die verschiedenen Manöver können gerade für Einsteiger ein wenig frickelig werden. Zwar überfordert die Steuerung nicht durch Komplexität, doch etwas Übung verlangt das Spiel schon. Timing ist hier das Sprichwort. Nahezu alle kompetitiven Aktionen sind mit einem kleinen Zeitfenster versehen, welches es zu perfektionieren gilt (abhängig von euren Stats natürlich). So können Steals nur kurz nach Beginn der gegnerischen Aktion erfolgreich durchgeführt, oder der 3er – Wurf nur mit punktgenauem Timen innerhalb des dafür vorgesehenen Zeitraumes, dargestellt durch einen Balken, versenkt werden.

Die Steuerung wird über ein umfangreiches Tutorial gut vermittelt, da jede Aktion durch Videos gestützt in kleinen Aufgaben selbst gemeistert werden muss. Dazu tragen auch die täglichen Aufgaben, Marke „3 Lob-Pässe in einem Spiel“, bei. Sofern man nicht Online auf Gegner trifft, lässt sich NBA Live auch auf dem Sofa zu zweit Spielen. Dabei kommt der arcadige Gesamteindruck, gerade im Vergleich mit NBA2K, zum Tragen. Denn die überarbeitete Steuerung bringt nichts, sobald diese Mechaniken sich durch Button-Mashing von Neulingen aushebeln lassen.

Was die Animationen angeht, so vermitteln diese einen insgesamt ordentlichen Eindruck. Vorbei sind die Zeiten in denen Korbwürfe von Spielern ausgeführt wurden, die nicht mal in dessen Richtung schauen. Allerdings ist hier auch noch Entwicklungspotential erkennbar. Gerade nach Steals kommt es durchaus auch häufiger vor, dass der Ball auf dem Spielfeld herumirrt während man selbst zweimal an ihm vorbeirennt. Natürlich ohne ihn aufzuheben. Das mindert den Spielspaß und sorgt für unfreiwillig komische Momente oder gar Ballverlust. Nichts desto trotz hat EA einen ordentlichen Job gemacht und sich die Kritik an den Vorgängern zu Herzen genommen.

Zusätzlich zu den Perks und zum Editor lässt sich euer Spieler auch nachträglich noch optisch anpassen. Dazu liefert EA die mittlerweile üblichen Lootboxen, in denen zum Beispiel Schuhe oder Accessoires gewonnen werden können. Zu erstehen sind diese über eine ebenso übliche Ingame- Währung.

Sound

Der Soundtrack ist erstklassig. Rund um das Spielgeschehen begleitet uns der schon erwähnte Hip-Hop Soundtrack. Gut vertonte Kommentatoren, quietschende Schuhe auf dem Hallenboden. EA liefert gewohnt hohe Qualität und eine dichte Atmosphäre.

 

Präsentation8.8
Gameplay7.8
Umfang8.8
Sound9.5
Das zusätzliche Jahr Entwicklungszeit tat der Serie sehr gut. Die überarbeitete Steuerung schafft den Spagat aus simulativem Anspruch und einsteigerfreundlichem Gameplay recht ordentlich. Mannigfaltige Einstellungsmöglichkeiten sorgen dafür, dass man sowohl mit seinen Kumpels mal eben eine Runde auf der Couch daddeln kann, als auch als echter Fan der Reihe oder des Genres auf seine Kosten kommt. „The One“ lässt echtes Singleplayer-Feeling aufkommen und fesselt durch die Charakterentwicklung durchaus auch längerfristig. Auch wenn den Animationen hier und da noch der Feinschliff fehlt, ist das Gesamtpaket auch durch die gute Atmosphäre ordentlich. Zwar sägt NBA Live damit noch lange nicht am Stuhl von NBA2K18, doch es entwickelt sich zunehmend und hat sich damit einen Platz in der Liga verdient.
8.7

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René

Am Gamepad seit frühester Kindheit, denn schon zu NES-Zeiten fand man ihn mit viereckigen Augen vor dem Fernseher. Mit steigendem Alter wuchs auch seine Leidenschaft, die nicht nur an ein Genre gebunden ist. Gezockt wird also, was gefällt. Auf einem Sportplatz sieht man ihn zwar selten, doch in der Schwimmhalle zieht der Student gerne seine Bahnen.

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