Pro Evolution Soccer 2018 – PC Test


KONAMI hat es auch 2017 mit Pro Evolution Soccer 2018 auf der Gamescom wieder zum „Best Sportsgame“ Award geschafft. Wie spielt sich der diesjährige Ableger in der Vollversion? Hat die PC Version endlich zu der Konsolen Version aufgeschlossen? All das erfahrt ihr in unserem Review!

Präsentation

Zum Einstieg widmen wir uns dem Vergleich zwischen Konsolen und PC Version. KONAMI hat im Vorfeld angekündigt, dass man dieses Jahr auf dem Computer die selbe Engine verwendet wie auf den Konsolen – und man hat das Versprechen gehalten. Nicht mehr länger müssen sich die PC Spieler mit einer abgespeckten Engine herumärgern, die selbst die größten High-End Rechner nur bedingt an die grafische Leistung der Konsolen heranbringen konnte. In diesem Jahr hat man auch auf dem PC endlich die schönen Details und Animationen der Konsolenversion.

Natürlich wurde auch in diesem Jahr bei KONAMI wieder Arbeit in die Präsentation von PES 2018 gesteckt. Das fällt zum Beispiel sehr positiv auf, wenn man die Taktikscreens sieht – in denen nun originale Spielerbilder verwendet werden. Fehlende Spielerbilder sollen im Laufe des Jahres immer wieder nachgepatcht werden, so geschehen beim Datapack 1, mit dem 3000 Thumbnails nachgereicht wurden. Aktuell ist auch der Kader von Borussia Dortmund (und allen anderen) mit dem Day1 Patch – im Taktikscreen erkennt ihr bereits Neuzugang Yarmolenko in der Starformation der Borussen.

Durch die exklusive Partnerschaft von KONAMI mit einigen Clubs, u.a. Borussia Dortmund und dem Liverpool FC kommen in diesem Jahr in diesen Stadien wirklich großartige Szenen zustande. Spielt man beispielsweise das Reviewderby mit dem BVB gegen den Erzrivalen Schalke 04 (beide Teams sind lizenziert, zusätzlich RB Leipzig als drittes deutsches Team), so fühlt man sich beim Einmarsch der beiden Teams mit den Aufnahmen im virtuellen Stadion schon sehr an eine Liveübertragung erinnert. Details wie der originale Einfall des Schattens bei Tageslicht oder die detailgetreuen Einlauftunnel – Das sieht großartig aus, und hier hat KONAMI einen wirklich klasse Job gemacht. Schade natürlich nur, dass die exklusiven Partner begrenzt sind, und nicht jedes Stadion so eine Pflege erfahren hat wie die Anfield Road oder der Signal Iduna Park. Hier besteht für die Zukunft aber sicherlich der Wunsch, weitere Partner in die Liste aufzunehmen.

In Sachen Spielermodelle und Gesichtsscans ist Pro Evolution Soccer auf hohem Niveau unterwegs. Die eingescannten Profis sehen wahnsinnig detailgetreu aus und machen einiges her. Auch die Details auf dem Rasen, z.B. wenn es anfängt zu Regnen und die Fußspuren auf dem Rasen sichtbar werden sind großartig. Emotionen spielen in diesem Jahr ein großes Thema: Bei Fouls, bei vergebenen Chancen oder bei dem Abschlussversuch kann man sehr oft die jeweilige Gefühlslage der Akteure auf dem Platz ablesen, ein weiteres Detail, dass das Spiel sehr realitätsnah wirken lässt. Clippingfehler haben wir in unserem Test nur sehr selten ausmachen können, selbst in Szenen in denen sich sonst ein Arm mal in einem Gegenspieler verhakt scheint in diesem Jahr die Physik sehr gut auf die Spielermodelle eingestellt zu sein.

Die neu hinzugekommenen HUDs, die Spielstatistiken während des Spieles wiedergeben sind eine willkommene Neuerung und bringen etwas mehr TV-Übertraungsfeeling in die ansonsten etwas angestaubte Präsentation von PES 2018. Bei den HUDs wäre es wünschenswert, die originalen Übertragungs-HUDs der jeweiligen Ligen zu erhalten, vermutlich wird es sich hier aber um eine Lizenzfrage der jeweiligen Ligen handeln.

Auch in diesem Jahr setzt KONAMI in Sachen Soundtrack auf lizenzierte Musik – sehr positiv. Es sind allerdings nur ganze 12 Tracks, wenn auch von Hochkarätern wie Linkin Park, Bruno Mars oder Coldplay – negativ. So fühlt man sich schnell von der selben Musik beschallt, die man zum Großteil schon aus dem Radio kennt.

Gameplay

Pro Evolution Soccer ist und war immer eine Fußballsimulation. Das Gameplay-Korsett von PES ist jetzt seit einigen Jahren in der Entwicklung und laut Adam Bhatti mittlerweile auch auf dem besten Stand angelangt. Was uns in diesem Jahr wirklich sehr gefällt ist die Möglichkeit der Spieler, den gesamten Körper bei der Ballannahme einzusetzen. Technisch versierte Spieler nehmen den Ball schon mal mit dem Oberschenkel oder der Schulter mit um anschließend ins Dribbling über zu gehen. Das sieht nach realem Fußball aus und fühlt sich noch dazu sehr realistisch an. Vorbei sind die Zeiten, in denen die Bein- oder Kopfpolygone für eine Ballannahme zwingend gebraucht wurden.

Das etwas verlangsamte Spieltempo gefällt uns gut, es macht das Spiel etwas variabler, sodass ein Dauersprinten nicht die einzige Variante ist, um erfolgreich auf das gegnerische Tor zu stürmen. Durch die Verlangsamung hat man die Möglichkeit für einen geordneten Spielaufbau, der durch die neue Funktion der Spieler, den Ball besser abzuschirmen noch besser gelingt. Besser gelingen in diesem Jahr auch Dribblings auf engem Raume, da der Ball von Spielern die technisch in der Lage dazu sind sehr eng geführt wird, und man sich so aus verzwickten Situationen herausdribbeln kann.

Erinnert man sich an PES 2016 zurück, denkt man vermutlich als Erstes an die katastrophalen Goalies im Spiel. Diese wurden in der 2017er Version verbessert und sind auch in der 2018er Version immer noch sehr gut. Die Torhüter zeigen ordentliche Reflexe und riskieren auch schon mal Kopf und Kragen um einen Ball zu klären. Lediglich Kopfbälle scheinen für mich durch die CPU zu einfach zu verwerten zu sein, viele der Gegentore die ich kassiere entstanden nach Abschlüssen per Kopf.

Unverständlich ist für uns, dass in Spielen gegen die CPU so gut wie keinerlei Fouls von der KI vorkommen. Ihr werdet einige Spiele in Folge machen können, in denen die KI nicht einen Freistoß verursacht und ihr so mit Standardsituationen im Spiel wenig ausrichten könnt. Hier fragt man sich, ob der Fokus nur auf das Spiel Mensch vs Mensch ausgelegt worden ist.

Die in den letzten Jahren noch zur Verfügung stehenden Hilfen bei Standardsituationen wurden entfernt, sodass es in diesem Jahr keine „Hilfslinien“ mehr gibt. Auch diese Änderung sorgt dafür, dass das Spiel mehr an Realismus dazu gewinnt und uns gefällt sie sehr.

Umfang

Das Thema Umfang und Lizenzen bleibt der größte Stolperstein für Pro Evolution Soccer. Positiv anzumerken ist allerdings durch die gut gelungene PC Version in diesem Jahr die Möglichkeit, diverse Lizenzen in das Spiel zu patchen (inoffiziell!). Da dieses aber nicht zu der „Standardversion“ gehört, fließen diese Möglichkeiten auch nicht in das Review mit ein. Schmerzhaft sind für die deutschen Spieler sicherlich die lediglich drei lizenzierten deutschen Clubs: Borussia Dortmund, FC Schalke 04 und Rasenballsport Leipzig. Und natürlich wirkt es auch etwas nach, dass eine Champions League in der Tat ohne Clubs wie Bayern München oder Real Madrid stattfindet, weil diese entweder gar nicht im Spiel sind (Bayern) oder unlizenziert (Real).

Als Spielmodus wird in diesem Jahr besonderer Wert auf den 3vs3 Co-Op Modus gesetzt, bei dem man Skillpunkte für seine Leistungen erhält. Habt ihr den Ball gut verteidigt? Wie passsicher wart ihr unterwegs? Grade bei der Rekrutierung von passenden Mitspielern für euren „Squad“ dürften diese Statistiken sehr interessant und ausschlaggebend für Verpflichtungen sein. Sowas ist innovativ und würden wir sehr gerne auch in anderen Co-Op Spielen sehen.

Im myClub Modus haben in diesem Jahr mehrere Legenden den Einzug gefunden, darunter unter anderem Diego Maradona oder David Beckham, welcher exklusiv für Pro Evolution Soccer zur Verfügung steht.

Die Meisterliga hat in diesem Jahr einige Änderungen erhalten. So gibt es in diesem Jahr ein überarbeitetes Transfersystem und von der Community oft und lange gewünscht: Vorbereitungsturniere vor dem Beginn einer Saison. Ansonsten hat man noch einige Cutszenen in das Spiel gebracht, um den Modus etwas aufzufrischen.

Der „Werde zur Legende“ Modus ist eigentlich keine Erwähnung wert, der Reiz, eine Aneinanderreihung von Spiel nach Spiel zu absolvieren bleibt auch in diesem Jahr für mich komplett aus, hier ist dringend eine Generalüberholung notwendig!

Eine weitere Neuerung in diesem Jahr ist die „Zufalls-Partie“. Bei dieser bekommt ihr (vorzugsweise gegen einen Freund) zufällige Spieler zugewiesen, die in dieser Partie für euch antreten werden. Ihr könnt die Auswahl etwas beeinflussen in dem ihr z.B. eine Vorauswahl trefft. Vor dem Match ist es euch noch möglich, mit eurem Freund zu „traden“, also den einen oder anderen Spieler noch auszutauschen. Das macht ziemlich Spaß, da kein Team dem anderen gleicht und man so viele Einzelspieler z.B. für den myClub Modus „probespielen“ kann.

Präsentation8.9
Gameplay9.5
Umfang7.2
Fun9
PES 2018 bringt das, was man sich als Fußballfan wünscht auf den Platz - ein realistisches Spielgefühl, welches auch auf dem PC in diesem Jahr wirklich sehr schön anzusehen ist. Außerhalb des Gameplays und der schicken Präsentation tut sich KONAMI aber schwer, mit Pro Evolution Soccer wirklich in die Gänge zu kommen. Das Fundament ist in Sachen Gameplay großartig, die Bereiche außerhalb vom Platz werden in den kommenden Teilen noch einiges an Arbeit gebrauchen können.
8.6

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Marc

Seit Kindstagen ist die Begeisterung für Sportspiele auf allen möglichen Plattformen ungebrochen. Zusätzlich als Livereporter beim VfL Osnabrück unterwegs – 24/7 Fußballfan, dazu durch die Zusammenarbeit mit TomyHawkTV mit dem US-Sports-Fieber infiziert worden. Außerdem dem Blizzardimperium verfallen.

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