Review -Pro Cycling Manager 2017


Gegenwind formt den Charakter – diese alte Radfahrer Weisheit findet ihre Anwendung in Reinform im neuesten Ableger der Pro Cycling Manager Reihe. Der mittlerweile 17te Teil der Reihe besticht durch seinen Umfang, hat aber (besonders zu Release) mit technischen Schwächen zu kämpfen.

Entwickelt wurde PCM wie üblich von Cyanide und erschien bereits am 15. Juni für den PC. Vornehmlich beschäftigt habe ich mich mit den Einzelspieler-Modi. Cyanide liefert gleich 4 an der Zahl: zum einen der Karrieremodus, dessen Fokus auf der Verwaltung eines ganzen Teams liegt, als auch der Pro Cyclist Modus. Hier schlüpft ihr in die Radlerhose eines selbst erstellten Fahrers, mit dem ihr dann die Karriereleiter erklimmen dürft. Hinzu kommen noch kleinere Modi wie das Einzelrennen und der Bahn-Modus.

Wie für viele Steam-Spiele üblich, findet man im Workshop allerhand Möglichkeiten die eigene Spielerfahrung zu erweitern. Neben modischen Accessoires wie Shirts und dergleichen können auch komplette Datenbanken implementiert werden. So können zum Beispiel Datensätze mit Namen und realitätsnahen Werten der Fahrer ins Spiel finden.

Zusätzlich kann man auch Echtgeld in die Hand nehmen und Kartenpacks im Ingame-Shop erstehen. Diese bekommt ihr für Cyans, welche im kleinsten Packet (50 Stück) für 4,99 € zu haben sind. Ähnliche Systeme kennt man bereits aus FIFA oder NBA.

Da ich ein Radsportneuling bin, entscheide ich mich zu Beginn für die vorinstallierte Variante und versuche mich im Karrieremodus als Radsportcoach.

Gameplay:

Das Tutorial kommt rein textbasiert daher und führt durch alle relevanten Menüs. Gerade Einsteiger werden an dieser Stelle Mühe haben. Erklärungen für sportarttypische Begriffe sucht man hier vergebens. Die hohe Informationsflut wirkt hier durchaus abschreckend, bestätigt jedoch das Nischendasein der klassischen Managerspiele. Radsportenthusiasten dürften sich indes direkt wohlfühlen.

Herzstück ist der Manager. Hier bekommt der Spieler einen Überblick über alle wichtigen Ereignisse. Neben den anstehenden Rennen sind vor allem die E-Mails interessant. Das Spiel informiert uns so über Anmeldefristen, Forschungsstände, Trainingslager, finanzielle Gegebenheiten und mehr. Eine praktische Filterfunktion sorgt für den nötigen Überblick. Kalendertage ziehen per Knopfdruck am Spieler vorüber und müssen mit der Leertaste gestoppt werden. Ereignisse, die unserer Handlung bedürfen, unterbrechen den Schnelldurchlauf automatisch.

Der Reiter „Team“ enthält alle wichtigen Informationen über den Zustand des selbigen. Wir können unseren Fahrern Ziele zuordnen (3 pro Saison), Ärzte, Trainer und Scouts einstellen, Trainingslager verwalten, Nachwuchsarbeit betreiben und unsere Drahtesel durch Forschung und geschicktem Einkauf technisch auf Topniveau halten. Jeder dieser Punkte ist nicht nur schnödes Beiwerk.  Sollen meine Fahrer lieber auf hochmodernen Laufrädern Berge erklimmen, oder reicht ein Modell aus dem Vorjahr? Wie schwer ist das Rad eigentlich? Verzichte ich lieber auf Komfort zugunsten der Aerodynamik oder umgekehrt? Mit solchen Fragen wird der Spieler zu Beginn ziemlich allein gelassen und erfordert es, ein Gefühl dafür zu entwickeln.

Den Individualisten unter euch können sich im ProCyclist-Modus verwirklichen. Allerdings nur sehr begrenzt, da der Charakter-Editor nicht viel mehr bietet als 6 nahezu identische Gesichter. Potentiale und Stärken definieren die Rolle eures Fahrers im Kader. Das darauffolgende Gameplay entspricht grob einer abgespeckten Variante der Karriere. Wichtige Infos werden wie gehabt per Mail vermittelt. Verträge sind weniger von Bedeutung. Die Möglichkeit euer Rad euren Bedürfnissen anzupassen sucht ihr vergebens. Ziel ist es vielmehr durch Domestiken und Ziele die Sponsoren zu halten und Preisgelder einzuheimsen. Neben der Fitness und dem Grad der Ermüdung gilt es an den eigenen Werten zu arbeiten. Durch anpassbare Trainingspläne können einfache bis schwierige Trainingseinheiten sowie Pausen über das Kalenderjahr verteilt werden. So „sprintet“ ihr von Rennen zu Rennen per Kalenderschnelldurchlauf.

 

 

Während der Rennen steuert ihr euren Radler via Maus und Ziffernblock. Wirklich aktiv ändert man allerdings nur die horizontale Ausrichtung auf der Straße. Soll heißen, die Position auf der Fahrbahn. Überholmanöver, und damit Plätze, macht ihr durch kluge Verwaltung eurer Ressourcen. Dabei ist der Blick auf die Ausdauerleiste entscheidend. Wenn ihr auf einem hohen Energielevel das rennen startet und versucht euch direkt vom Feld abzugrenzen, fehlt euch vielleicht das Zeug dazu euren Platz im Endspurt zu halten.

Präsentation:

Während des Rennes sind verschieden Kameraperspektiven wählbar. Neben dem freien Zoom könnt ihr zwischen Helikopteransicht, Fahreransicht und Verfolgerperspektive und mehr wählen. Diese braucht ihr auch, denn die Kamera hält sich beim Rundumblick nicht auf der gewählten Position. Bei jährlich erscheinenden Spielen sind grafisch keine großen Sprünge zu erwarten. Zuschauer sind zwar nicht nur bloße Pappaufsteller, Emotionen sehen jedoch anders aus. Das Entwicklerstudio versucht durch Blur-Effekte der zweckmäßigen Darstellung gut zu zusprechen. Nötig wäre dies allerdings nicht. Ein 40€ Titel ist sicherlich kein Grafikbombast, dies wäre aber auch am Genre und an der Zielgruppe vorbeigeschossen.  Die Menüführung vor und nach den Rennen wirkt recht umständlich. Zwar findet man schnell heraus wo man zum Beispiel die Trainingspläne anpassen kann, doch der Umgang mit den Dropdown-Menüs kann die Verwaltung eures Kaders zur Geduldsprobe werden lassen.

Ärgerlich ist auch, dass es einige Übersetzungen nicht ins Spiel geschafft haben.Ich zumindest musste kurz googlen was denn jetzt Choix du Visage tatsächlich bedeutet, aller Spärlichkeit des Charaktereditors zum Trotz.

Umfang:

Wie bereits erwähnt kommt der PCM mit 4 Einzelspielermodi einher. Zusätzlich zum umfangreichen Karrieremodus und dem etwas magereren ProCyclist, erwartet euch beim Einzelrennen und auf der Bahn Kurzweil der geradezu nach einer entspannten Runde zum Feierabend ruft. Im Mehrspielermodus könnt ihr zusammen mit euren Radsportfreunden die Tour de France für euch entscheiden. Sofern es die Technik zulässt. Mir jedenfalls stand diese Möglichkeit nicht zur Verfügung, bescheinigte mir das Spiel doch durch die Bank weg Verbindungsprobleme.

 

 

Sound:

Der Soundtrack des Spiels unterstützt das genretypische Menüwälzen dezent und ist wenig aufdringlich. Leider gibt es keine deutschen Sprecher während der Rennen, doch die englische Variante wirkt durchaus motiviert. Hier profitieren Cyanide von ihrer Erfahrung. Sie verstehen es durchaus den Spieler mit „relevanten“ Informationen zu Versorgen und Renn-Atmosphäre aufkommen zu lassen.

 

 

PCM überrascht in seiner 17ten Neuauflage nicht wirklich. Es bietet solide Kost für Kenner der Reihe. Das Tutorial bietet zwar eine Menge Möglichkeiten in das Spiel herein zu finden, überfordert den Einsteiger jedoch schnell mit der Informationsflut und sorgt so für eine steile Lernkurve.

 

 

Spieltiefe und Umfang überzeugen und profitieren zusätzlich durch den Workshop sowie durch das Kartensammeln. Enthusiasten kommen für 39,99 ganz auf Ihre Kosten. Ärgerlich bleibt der spärliche Charaktereditor, wenige zusätzliche Optionen wären, gerade wenn man die Erfahrung der Entwickler in Betracht zieht, wünschenswert gewesen. Die Entschlackung der Menüs tut dem Spiel gut, Cyanide könnten an dieser Stelle gerne noch weitergehen.

Präsentation6.5
Gameplay5.7
Umfang8.5
Sound6.5
Die Menüs wirken auf den ersten Blick aufgeräumt, entpuppen jedoch schnell als Geduldsspiel. Fortschritte zum Vorgänger sind durchaus erkennbar, wenn auch nicht konsequent genug. Während der Rennen ist PCM grafisch eher zweckdienlich, aber keinesfalls hässlich. Zwei große Spielmodi, 2 kleinere Abendfüller, Multiplayer (wenn er funktioniert) und Workshop-Anbindung geben euch viele Möglichkeiten an die Hand, eure Radsportfantasien auszuleben. Der Pro Cycling Manager 2017 bietet ein ordentliches Preis-Leistungs-Verhältnis. Aufgrund der steilen Lernkurve und der überfrachteten Tutorials ist er allerdings nur bedingt für Einsteiger zu empfehlen. Enthusiasten des Sportes und Managerliebhaber finden sich mit Sicherheit gut in der neuesten Revision von PCM zurecht.
6.8

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René

Am Gamepad seit frühester Kindheit, denn schon zu NES-Zeiten fand man ihn mit viereckigen Augen vor dem Fernseher. Mit steigendem Alter wuchs auch seine Leidenschaft, die nicht nur an ein Genre gebunden ist. Gezockt wird also, was gefällt. Auf einem Sportplatz sieht man ihn zwar selten, doch in der Schwimmhalle zieht der Student gerne seine Bahnen.

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